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Erstellt am 19.09.2010
Rundreise Mazedonien, Albanien und Montenegro
Individualreisen, Europa - AP @ 11:17
In der ersten Septemberhälfte 2010 haben wir (2 Erwachsene und zwei Kinder mit 1 und 5 Jahren) uns auf Inforeise nach Mazedonien, Albanien und Montenegro begeben. Wir wurden dabei in vielerlei Hinicht positiv überrascht.
Als erstes Reiseziel stand Mazedonien auf dem Plan. Dorthin gelangten wir per Nachtzug im Vierer-Liegewagenabteil von München nach Budapest und dann weiter mit dem Eurocity-Zug nach Skopje, wobei wir ab Belgrad im Dreibett-Schlafwagenabteil untergebracht waren. Der Schlafwagenschaffner war sehr hilfsbereit und aufmerksam. Skopje präsentierte sich als islamisch-europäische Stadt mit entsprechenden Märkten und durchweg angenehmem Publikum sowie einer pittoresken Altstadt. Die sympathischen Geschäfte in der Altstadt werden zumeist von albanischstämmigen Kaufleuten geführt. Es gibt viele gemütliche Gaststätten mit leckeren Speisen zu für uns günstigen Preisen. Von der Stadt aus hat man einen prächtigen Blick auf das Vodno-Gebirge. Auf dem Vodno-Gipfel befindet sich das von jedem Stadtteil aus ersichtliche, fast schon überdimensionale Millenniumskreuz. Mehrmals wurde Skopje, in einer seismisch aktiven Region gelegen, von Erdbeben zerstört. Zuletzt am 26. Juli 1963, als weite Teile der Stadt derart ruiniert wurden, dass internationale Hilfe notwendig war. Fast die ganze Altstadt wurde vernichtet und es gab 1070 Todesopfer. Der alte Bahnhof von Skopje zeigt dem Besucher mit seinen nicht zerstörten Resten (unter anderen Geschäften befindet sich heute ein nettes Café darin) eindrucksvoll die Katastrophe von 1963. Heute ist der alte Bahnhof zudem Museum der Stadt. Skopjes Wiedererrichtung erfolgte nach einem Masterplan des Architekten Kenzo Tange aus Japan. Gewohnt haben wir im Hotel Arka, einem 5-Sterne-Luxushotel in hervorragender Lage und mit faszinierenden Ausblicken auf Skopje von unserer Suite (mit Rundherumblick aus einer großen Fensterfront) und auch von dem spektakulären Frühstücksraum heraus. Dieser war mehr ein gäsernes Atrium mit innenliegendem Schwimmbecken! In so einem tollen Ambiente hatten wir noch nie gefrühstück! Die Altstadt ist direkt am Hotel gelegen und zur modernen Fußgängerzone gelangt man in knapp zehn Gehminuten über die den Fluss Vardar überspannende osmanische Steinbrücke "Kamen most". Die Fußgängerzone besticht durch viele attraktive Sitzmöglichkeiten und einem großen (etwas ramponierten) Spielplatz für Kinder. Gleich nebenan befindet sich ein Denkmal von Mutter Teresa in der Nähe ihres nicht mehr bestehenden Geburtshauses. Mutter Teresa (1910 - 1997) war eine durch ihre humanitären Hilfsprojekte für Arme weltweit bekannte katholische Ordensschwester und Trägerin des Friedensnobelpreises. Die römisch-katholische Kirche hat sie 2003 selig gesprochen.
Nach zwei Nächten in Skopje sind wir mit einem Linienbus nach Struga nahe der albanischen Grenze weitergereist. Dort fuhren wir mit einem Taxi weiter zum Bahnhof Pogradec in Albanien. Der freundliche und hilfsbereite Fahrer erledigte für uns die Grenzformalitäten und half uns beim ersten Bargeldumtausch Euro in Lek, den wir in einem dörflichen Laden vorgenommen haben. Die Bahnfahrt nach Tirana glich einer Fahrt durch den Wilden Westen mit (von Steinwürfen) durchschossenen Fensterscheiben bei allen Waggons und einer Fahrzeit von mehr als acht Stunden für eine Entfernung von 85 Kilometern Luftlinie bzw. 115 Straßenkilometern. Wobei die Eisenbahntrasse sehr geschwungen geführt ist. Wer Frischluft (durchsetzt von Lokomotivdiesel) liebt, kommt in den Wagen mit zerborstenen oder ganz fehlenden Fensterscheiben voll zur Entfaltung und wird der albanischen Eisenbahn Hekurudha Shqiptare (HSH) dann wohl verzeihen, dass die einzigen zumutbaren Toiletten für die mitreisenden Polizisten und das Zugpersonal reserviert sind. Im Zug gibt es sogar einen Am-Platz-Service mit Knabbereien und Getränken zu äußerst fairen Preisen. Die Schaffner sind auch um die Gesundheit der Reisenden bemüht und so wurden wir zwischen Durrës und Tirana darauf hingewiesen die Fenster geschlossen zu halten. Grund: Steinwürfe. Unser Wagenmaterial bestand aus ehemaligen DB AG-Wagen bzw. umgebauten Reichsbahnwagen und wenn die Fensterscheiben auch ramponiert waren, so waren die wenigstens vorhanden. Die von unserem Zug befahrene Strecke entlang des Ohridsees, einem der größten Seen auf der Balkanhalbinsel und einem der ältesten Seen der Erde sowie durch spektakuläre Gebirgszüge und Täler sollte man erlebt haben. Meine Garantie für ein unvergessliches Erlebnis! In Tirana, etwa 30 Kilometer Luftlinie von der Adria entfernt, angekommen freuten wir uns über eine schöne Dusche im Sky Hotel. Dieses Haus überzeugt mit aufmerksamen Service, modernen und sehr geräumigen Zimmern sowie einem Frühstücksraum mit Außenterrasse und Rundumblick auf Tirana. Es fällt dabei auf, wie sich die Hauptstadt Albaniens durch geschickte farbliche Gestaltung von ganzen Straßenzügen in wilden Mustern und schrillen Farben des Künstlers und Bürgermeisters Rama erfolgreich um ein buntes Stadtbild bemüht hat. Das 4-Sterne-Luxushaus Sky Hotel würden wir als 5-Sterne-Luxushotel kategorisieren. Von dort aus lassen sich schöne Spaziergänge machen und im fußläufigen Bereich Sehenswürdigkeiten wie unter anderen das Skanderbeg-Denkmal, der 35 Meter hohe Uhrturm Kulla e Sahatit von 1830, die Et’hem-Bey-Moschee (1793-1794) und die ehemalige Villa von Enver Hoxha besichtigen. Der langjährige politische Führer Albaniens errichtete in der Zeit von 1944 bis zu seinem Tod in 1985 in Albanien nach stalinistischem Muster eine Diktatur und den "ersten atheistischen Staat der Welt" (1967). Eines der Relikte aus dieser Zeit ist die "Pyramide". Als Museum wurde das Gebäude 1988 eröffnet und dem kommunistischen Führer Enver Hoxha geweiht. Die Pyramide wird heute für Messen und Konferenzen genutzt, wobei sie bei unserem Besuch nur von außen zu besichtigen war und wir durch einen Türschlitz drinnen Renovierungsarbeiten zu erkennen vermuteten. In Tirana gibt es viele Lokale zum Ausgehen, wobei auffällt, dass zumeist nur Getränke gereicht werden. Will man außer Trinken auch noch ordentlich essen, so muss man schon ein wenig suchen. Nach zwei Übernachtungen ging es von Tirana mit einem Minibus nach Shkodra. Die Fahrt selbst war eine Schau, da mit vielen witzigen Erlebnissen gespickt. Am Minibusstand in Shkodra wurden wir von unserem Fahrer gleich weitergereicht an einen Taxifahrer, der uns nach Montenegro fuhr.
Die Taxifahrt endete am super gepflegten Bahnhof in Bar an der montenegrinischen Adriaküste. Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhren wir mit einem Linienbus weiter nach Budva. Auf dem Weg dorthin erhaschten wir einen kurzen Blick auf Sveti Stefan, eine kleine Adria-Insel in der Nähe von Budva. Sveti Stefan besteht aus dem gleichnamigen, malerischen Fischerdorf, dessen Bebauung aus dem 15. Jahrhundert stammt. In 2007 wurde die Insel von einer Firma für 30 Jahre vom Staat Montenegro gepachtet und ist seitdem für Renovationsarbeiten geschlossen. Mehrmals wurde die Wiedereröffnung verschoben. In Budva angekommen erlebten wir einen europäischen Badeurlaubstraum. Wir wohnten im Hotel Avala, einem eleganten und hochwertigen, renovierten Hotel (eröffnet 1937) mit 274 Zimmern. Es gibt eine wirklich sehr große Rezeption mit Sitzecken, mit der Zimmerschlüsselkarte steuerbare Lifts, einen Friseur und einen Kosmetiksalon, ein Restaurant und ein Café, eine Cocktailbar und ein Hallenbad mit Spa-Bereich. Außen befindet sich das faszinierend gelegene Schwimmbecken (siehe das Foto zu diesem Reisebericht) mit Liegen, Schirmen und einer atemberaubenden Aussicht. Tolle Ausblicke kann man auch von der Frühstücksterrasse aus genießen. Der Weg dorthin über viele Treppenstufen kann bei gelegentlichem Funktionsversagen der Rolltreppen herausfordernd sein. Ganz viel Platz hatten wir durch die Buchung einer Familienunterbringung bei JAHN REISEN mit zwei Doppelzimmern nebeneinander, getrennt durch einen Aufenthaltsraum mit Balkon. Mit wenigen Schritten gelangten wir in die benachbarte, lebendige Altstadt von Budva mit vielen Fotografiermöglichkeiten und netten Gaststätten zum Verweilen. Für Gehfaule empfiehlt sich der direkt am Hotel gelegene Kiesstrand von Budva, es lohnt sich aber auch durchaus ein mehr oder weniger langer Spaziergang zum etwa 200 m entfernten Mogren-Feinkies-/Sandstrand. Dort gibt es ein buntes Publikum von jung bis alt und ein paar FKKler waren auch da. Wem das noch nicht reicht, sollte an der Strandpromenade entlang flanieren, wo man kleine lustige wie große, sündhaft teure Boote bzw. Yachten sichten und sich in den vielen Restaurants gepflegt den kulinarischen Genüssen widmen kann. Unsere Kleinen freuten sich über einen mannigfaltigen Rummelplatz mit schönen Karussells, einer lustigen Kindereisenbahn, einem Irrgarten-Haus und vielem mehr. Auch die Heimfahrt nach Hause war spannend und anregend. Die erste Etappe legten wir mit einem Taxi nach Dubrovnik zurück, von wo aus wir nach einer (leider nur) Kurzbesichtigung mit einer Fähre der Jadrolinija nach Bari und von dort mit der Eisenbahn weiter über Bologna und Verona nach München gereist sind.
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