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Erstellt am 03.08.2010
VisFestivalen in Västervik/Schweden 2010
Kulturreisen, Skandinavien - AP @ 23:53
Vom 14./15. – 18./19.07.2010 unternahmen wir eine Kundenreise zum VisFestivalen nach Västervik an der Südostküste Schwedens.
Zum Liederfestival der "Perle der Ostküste" in der schwedischen Provinz Kalmar län und der historischen Provinz Småland wurden wir vom Organisator Hansi Schwarz eingeladen. In 2010 wurde das 45-Jahre-Jubiläum gefeiert und wir von DERPART ABA Reisen waren prächtig stolz darauf, als persönliche Gäste eingeladen worden zu sein. So konnten wir ohne Schlangestehen den Künstlereingang nutzen, uns „backstage“ aufhalten und saßen im VIP-Bereich.
Für die Anreise wählten wir den CNL-Nachtzug von München nach Kopenhagen, den es so nach meinen Recherchen leider nur noch bis zum Winter 2010 geben wird. Die Unterbringung im Schlafwagen war recht bequem. Als wir den Speisewagen besuchen wollten, wurden wir wegen eines technischen Problems leider bis nach Nürnberg vertröstet, das war aber aufgrund der relativ frühen Abfahrt in München um 19 Uhr und der für Nachtzüge späten fahrplanmäßigen Ankunft in Kopenhagen um kurz nach 10 Uhr kein Problem und das Speisewagenpersonal war trotz der Startschwierigkeiten zu netten Scherzen aufgelegt. Leider sind wir dann im weiteren Reiseverlauf Opfer des Sparbetriebes der Deutschen Bahn geworden, der sich derart auswirkte, dass wegen eines Unwetters in Südwestdeutschland ein an unseren CNL anzuhängender Zugteil sich verspätete und dies unseren Flügelzug in die Verspätung mitriss. Eine flexible Betriebslenkung war der Deutschen Bahn offensichtlich nicht möglich. Deutschland verließen wir schlussendlich mit sechs Stunden Verspätung, die die Dänische Staatsbahn (DSB) auf fünfeinhalb Stunden mildern konnte. Staunende dänische Gesichter, die sich in der Mittagssonne ob des Anblickes eines Nachtzuges voller Verwunderung zeigten, ließen unseren Zorn ein wenig in Schmunzeln aufgehen.
Die freundlichen und sehr kooperativen Mitarbeiter der DSB im Hauptbahnhof Kopenhagen hauchten unseren durch die Nachtzugmisere wertlos gewordenen Anschlussfahrkarten nach Västervik über Linköping wieder Leben ein und wir erreichten kurz nach 23 Uhr unser eigentlich ausgebuchtes Centralhotellet, in dem Hansi Schwarz für uns reserviert hatte.
Das Centralhotellet empfiehlt sich als romantisches, gut bürgerliches 3-Sterne-Hotel. Das Hotel ist seit 1968 im Familienbesitz, hat schöne Zimmer mit leicht antiker Möblierung und ein hübsches Frühstückszimmer mit wundervoller Terrasse im Innenhof. Das Frühstücksbuffet ladete zu mehrmaligen Gängen ein und das zusammen mit den ebenfalls im Centralhotellet wohnenden Künstlern des VisFestivalen. So manchem der tollen Liedermacher, den man am Vorabend beklatschte, konnte man hier die Salami vom Brot stehlen. :-)
Nachdem uns der deutsche Eisenbahnbetrieb den ersten Veranstaltungsabend des VisFestivalen genommen hatte, forschten wir am darauf folgenden Tag in der Musikgeschichte Västerviks, die sehr bedeutend ist. Dabei halfen uns liebe Mitarbeiter der Västerviks musikbibliotek & visarkiv, die unsere Fragen profund beantwortet und sogar einen Kontakt zu einem der größten Sammler Västerviks in punkto Schallplatten der früheren Folk-Gruppe Hootenanny Singers (1961 – 1974 und wieder einige Jahre ab 1979 im Rahmen einer Wiederauferstehung) hergestellt haben. Bandmitglieder der Hootenanny Singers waren unser VisFestivalen-Gastgeber Hansi Schwarz, Johan Karlberg, Tony Roth (der während des VisFestivalen 2010 als Überraschungsgast auftrat) und der aus ABBA-Zeiten weltbekannte Björn Ulvaeus. Ulvaeus wuchs in Västervik auf und ist noch heute mit der über 20.000 Einwohner zählenden Stadt eng verbunden. So kaufte er in diesem Jahr eine für Västervik sehr bekannte und wichtige Immobilie. Hansi Schwarz arrangiert das VisFestivalen seit 1968 (also fast seit Anbeginn), bis 1978 zusammen mit seinem alten Zeichenlehrer Lars Hjalmar "Frosse" Frosterud (1930–2000), ab dann alleine. Ganz alleine freilich nicht, denn er wird von seinem wundervollen Team, dem VisPersonalen unterstützt.
Die Tage und Abende in Västervik genossen wir sehr, es gibt dort in einem pittoresken Stadtbild hervorragende Restaurants, viele Möglichkeiten zum Bummeln und Einkaufen sowie ein durchweg freundliches, offenes Publikum. Besonders für junge Leute empfiehlt sich das fröhliche Treiben nachts in Västervik. Super Stimmung!
Auf die Donnerstagsveranstaltung mit den Musikern De Tre, Abalone Dots, Jenny Almsenius, Toni Holgersson, Wille Crafoord, Caj Karlsson und Niklas Strömstedt mussten wir ja leider verzichten, so dass wir unseren ersten persönlichen Kontakt mit dem VisFestivalen auf der Freitagsveranstaltung hatten. Wir erlebten auf dem Gelände einer alten Schlossruine einen heiteren wie stimmungsvollen Abend mit den Künstlern Steve Grahn, Bengt Sändh, Anders Ekborg (spielt den Karl-Oskar im Musical „Kristina från Duvemåla“, das Björn Ulvaeus und sein ABBA-Kollege Benny Andersson geschrieben haben), Christina Kjellsson, Lasse Tennander, Ola Magnell und Sanna Carlstedt. Sanna hat an diesem Abend das VisFestivalen Stipendium für ihre signifikante Arbeit um das Bewahren, Entwickeln und Schaffen des schwedischen Liedes erhalten.
Am Samstagabend wurden wir von der Musik von Gaby & The Guns, Bandlyst, Rikard Wolff, Povels Naturbarn – Lotta & Mikael Ramel med Backa-Hans Eriksson, Jack Vreeswijk, Cajsastina Åkerström und Stina Berge verzaubert.
Als wir am Sonntag die Rückreise nach Deutschland antraten, wieder mit der Eisenbahn über Linköping und Kopenhagen nach München, klangen uns die schönen Lieder noch in den Ohren. Lustig: ein paar der Musiker fuhren auch mit uns Zug. Weniger lustig: der Speisewagen im CNL-Nachtzug war anfangs ganz außer Betrieb, danach nur mit Notessen bestückt und wegen polizeilicher Ermittlungen in Flensburg wurde unser Zug dann an der dänisch/deutschen Grenze zwei Stunden festgesetzt und wir erreichten München erst mit diesen zwei Stunden verspätet. Abgesehen von den Kalamitäten mit den Nachtzügen blicken wir auf eine schöne und faszinierende Kulturreise zurück!
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