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Erstellt am 12.01.2009
Indien – Götter, Ganges, Großmoguln
Studienreisen, Asien - MS @ 17:40
Studienrundreise östlicher Teil von Rajastan bis nach Varanasi.
Beste Reisezeit Mitte Oktober bis Mitte April. Okt/Nov+März/April sehr warm bis heiß, Dez/Jan/Feb vor allem abends kühl bis kalt. Achtung: Ab November bis Januar wird es abends schnell dunkel. Das Besichtigungsprogramm muss dann dem „kurzen“ Tag entsprechend gestrafft werden. Das könnte bei einer größeren Reisegruppe stressig werden.
Ein hochinteressantes Reisegebiet, fantastische Architektur neben bitterer Armut. Das muss verkraftet werden. Kinder betteln ziemlich, lassen sich nur durch einen indischen Reiseleiter abwimmeln oder durch die Flucht in den Bus.
Das Essen ist vorzüglich, zumeist vegetarisch, unglaublich vielseitig, gut (nicht allzu scharf) gewürzt, sehr gut verträglich. Fleisch (sogar Rindfleisch) gibt es in allen guten Restaurants. Zumindest da, wo der Tourist hinkommt. Da das Gemüse derart raffiniert und deftig gewürzt ist, ist Fleisch gar nicht nötig. So das Resümee unserer Reisegruppe.
Hotels im 4-Sterne-Bereich ganz ordentlich, jedoch nach europäischem Standard eher 3 bis 3,5. Überraschend gut aber dennoch in Orten, die touristisch noch nicht so frequentiert sind, wie z.B. in Gwalior oder in Khajuraho.
In den Hotels kann man in der Regel auch seine Dollar tauschen. Für 50 Dollar bekommt man eine gute Hand voll abgegriffener Geldscheine. Uns ist mehrmals passiert, dass nach dem Wechseln von insgesamt 300 Dollar keine Rupien mehr vorrätig waren, so dass wir uns bis zur nächsten Gelegenheit innerhalb der Reisegruppe gegenseitig aushelfen mussten.
In den Basaren ist alles super billig, handeln wird vorausgesetzt. Wer nicht handelt, ist selber schuld. Die Vielfalt ist gigantisch und vor allem in Bezug auf Kleider, Stoffe, Taschen etc. unüberschaubar und knallbunt. Die Reiseleiter führen ihre Gruppen jedoch gerne in „staatliche“ Geschäfte. Dort ist Handel nicht gerne gesehen und die Preise beinahe vergleichbar mit unseren. Reiseleiter befürworten den Kauf in diesen Geschäften mit dem Argument, die Qualität sei besser. Tatsache ist, dass sie Umsatz beteilig sind. Wie überall!
Die Straßen sind teilweise extrem schlecht: Gigantische Schlaglöcher in Permanenz, keinerlei Straßenbeleuchtung, keine Bürgersteige und massiver Gegenverkehr (auch auf der Autobahn!) von Fußgängern, Radfahrern, Ochsenkarren, Kamelen und Elefanten. Man sollte sich getrost auf die indischen Fahrer verlassen. Die wissen mit dieser Situation umzugehen. Für uns eher eine Begegnung der besonderen Art.
Die Götterwelt des Hinduismus ist bizarr. Hunderte von Göttern gibt es, die in ihrer eigenen Gestalt, in ihrer Reinkarnation oder ihren Symbolen dargestellt sind. Mit und ohne Ehefrauen, mit und ohne Reittier, hautfarben oder in hellblau. Sie sorgen für Verwirrung, trotz unseres Reiseleiters, der bemüht ist, seine Religion verständlich zu erklären. Keiner von uns wusste bis dato, dass auch Götter sterben und wiedergeboren werden. So ist Buddha auch eine Reinkarnation und seine Religionsgründung geht aus dem Hinduismus hervor.
Schöner noch als jedes Farbposter es abbilden könnte ist das Taj Mahal im Original. Es schwebt vor Leichtigkeit förmlich auf seinem Marmorsockel. Harmonie und vollkommene Schönheit, die uns vor Ehrfurcht verstummen lässt. Ebenso sehenswert das Rote Fort, in kurzer Entfernung gegenüber. Der Eingang, aus rotem Sandstein (daher sein Name) massiv und gewaltig. Je weiter man in den Palast eindringt, umso filigraner wird er; die Privatgemächer des Großmoguls ein Traum!
Ebenso die Abertausende von filigranen Figürchen in der Tempelanlage von Khajuraho. Und die auf einem Bergkamm thronende, gewaltige Festung von Gwalior. Highlight an Highlight. Jeden Tag. Garantiert! Die Befürchtung, es könne nach dem Taj Mahal nichts mehr kommen, was einen vom Hocker reißt, ist vollkommen unbegründet.
Der „heilige“ Ganges in Varanasi ist ein breiter Fluss, braun, dreckig, früh morgens umhüllt von Nebelschleiern. An seinen Ufern drängen sich die Gläubigen auf den Steinstufen, den „Ghats“, um sich den rituellen Waschungen zu unterziehen. Nicht weit davon entfernt bahnen sich graue Rauchschwaden ihren Weg zum Himmel. Mit ihnen die Seelen der Toten, deren sterbliche Überreste auf den Scheiterhaufen verbrennen. Es ist noch dämmerig. Wir schaukeln auf den seichten Wellen des Ganges in einem Boot und beobachten fasziniert das Geschehen um uns herum. Wir sind berührt von so viel religiöser Hingabe.
Der Mantel der Dunkelheit hatte sich gnädig über die Szenerie gelegt. Denn als die Sonne endlich den Weg durch die Nebelschwaden schafft, offenbart ihre Helligkeit eine unerhörte Menge von Unrat, die sich da am Ufer auftürmt und im Wasser vor sich hin dümpelt.
Ein regelrechter Schock für uns. Wie kann ein heiliger Ort derart verschmutzt sein? Warum lassen das die Gläubigen zu? „Das ist halt so“ ist für uns keine wirklich befriedigende Erklärung. So sind wir Touristen. Wollen immer alles ganz genau wissen und sind halt auch in fernen Ländern in unserer vertrauten Denkweise unterwegs. Auch wenn wir’s eigentlich gar nicht wollen und uns für besonders vorurteilsfrei halten.
Ich bin mir sicher, dass man in Indien geboren sein muss, um es zu verstehen. Zu facettenreich ist dieses Land mit seiner uralten Kultur, seinen Traditionen, seinem unbarmherzigen Kastensystem und seiner für unsere Begriffe so schillernden Religion. Aber vielleicht sehen sich gerade aus der Summe dieser Mysterien Jahr für Jahr Tausende von Touristen veranlasst, dieses unergründliche Land selbst zu erfahren.
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