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Erstellt am 02.05.2011

Peru, das legendäre Goldland

   

Das erste, was einem zu Peru einfällt, ist Machu Picchu. Dieser magische Ort ist vor allem der Grund, warum man die lange Flugreise nach Peru auf sich nimmt. Aber ist man erst einmal im sagenhafte Inkareich angekommen, sind die Flugstrapazen wie weggeblasen. Denn das Land fasziniert von Anfang an. Dokumentiert doch sein Erbe die schicksalhafte Begegnung zwischen einer Handvoll berittener Spanier und den stolzen „Söhnen der Sonne“.

Je tiefer man in die Geschichte dieses selbstbewussten Andenvolkes blickt, desto klarer wird, dass auch sie sich nicht anders verhielten als die Spanier. Sie dehnten nach und nach ihren Herrschaftsbereich aus, setzten ihre eigenen Leute an die Spitze der eroberten Stämme und gliederten sie in ihren Staat ein. Was man heute so selbstverständlich den Inkas zuschreibt, wurde oftmals von den besiegten Völkern lediglich übernommen. So zum Beispiel das sagenumwobene „Inkagold“.

Gerade als die Spanier das heutige Peru betraten, gab es zwischen den „Chachapoya“ (Wolkenkrieger) und den Inkas heftige Auseinandersetzungen. Diese führten dazu, dass sich die Chachapoya den Spaniern in ihrem Kampf gegen die Inkas anschlossen und so zu deren (und letztendlich auch zu ihrem eigenen!) Untergang beitrugen.

Ich hatte eine Studienreise bei Marco Polo gebucht. Unser Reiseleiter, ein Deutsch-Peruaner, war mit Herzblut bei der Sache. Die Liebe zu seiner Heimat war in jedem seiner Worte zu spüren; die Verständigung zwischen ihm und der Reisegruppe war mustergültig und harmonisch.

Unser erstes großes Ziel war das Nazcaplateau (UNESCO Weltkulturerbe). Aus Sicherheitsgründen wurde uns von einem Rundflug über diese Ebene abgeraten. Dennoch bekamen wir einen Eindruck von der Größe dieser Fläche und seinen wundersamen Bildern, die schon seit Ihrer Wiederentdeckung für Diskussionen sorgen. An zwei Stellen stehen Gerüste, von deren Plattform aus man einige Scharrbilder erkennen kann. Das Ausmaß des Areals ist wesentlich größer, als wir alle uns das vorgestellt hatten.

Amüsiert erzählte uns unser Reiseleiter von seiner Begegnung mit dem „Ufologen“ Erich v. Däniken, der, von einer Gruppe entzückter Fans umringt, seine groteske Vorstellung von der Entstehung der Bilder unter großer Zustimmung zum Besten gab.

Von Nazca aus fuhren wir dann fast einen Tag lang Richtung Süden, parallel zum Pazifik auf der „Panamericana“. Rechter Hand das Tosen ungestümer Wellen und linker Hand hochaufragende Wüstendünen bis zum Horizont. Zwischen diesen beiden so gänzlich unterschiedlichen Elementen schlängelt sich atemberaubend die Straße entlang, streckenweise vom Sand so verweht, dass der Asphalt kaum mehr zu sehen ist. Eine „never ending story“ für die Straßenarbeiter, die mit ihren Besen unerschütterlich gegen die beharrlichen Attacken des Flugsandes ankämpfen.

In Arequipa, der „weißen Stadt“ (die Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe), eingerahmt von den drei markanten Gipfeln „El Misti“, „Chachani“ und „Pichu Pichu“, kamen wir am Abend an. „El Misti“ ist ein perfekt geformter Vulkankegel, dessen Flanken bis fast zur Hälfte seiner Höhe von Häusern bebaut sind.

In einem Museum ist die sehr gut erhaltene Mumie „Juanita“ zu sehen. Ein Inkamädchen, das als Menschenopfer seinen Tod mit nur etwa 14 Jahren fand. Ihr Schicksal hat uns alle sehr berührt, als wir ihr so „gegenüber standen“. Unweigerlich fragt man sich, was dem Mädchen in seinen letzten Stunden durch den Kopf gegangen sein könnte. Wie fühlt man sich als Menschenopfer? Ist man sich der „Ehre“ bewusst, für einen Gott zu sterben oder hat man einfach nur Angst vor dem Tod?

In Arequipa haben wir die Nationalspeise „Meerschweinchen“ probiert. Ein eher jämmerliches kleines, die vier Beinchen nach außen gestrecktes, platt gedrücktes Etwas, was da auf den Tellern serviert wurde. Geschmeckt hat es ähnlich wie Hühnchen. Es war jedoch eher mühsam, das bisschen Fleisch von den Knöchelchen zu lösen und das kleine Ding zu essen. Und da wir Deutschen zu Meerschweinchen ja eher eine freundschaftliche als eine praktische Beziehung pflegen, kamen wir übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass keine weiteren Meerschweinchen mehr für uns sterben müssten! Erwähnen möchte ich aber noch das Ölgemälde in einer der vielen Kirchen, die wir besichtigten. Es zeigt Jesus und seine Jünger beim Abendmahl. Der Künstler war zweifellos Peruaner, denn neben Brot und Wein lagen knusprig gebratene Meerschweinchen!

Von Arequipa aus erklommen wir zwei Tage später auf unserer Fahrt zum Titicacasee einen Pass von 4800 Höhenmetern. Die höchste Stelle unserer Reise! Unser Fahrer quälte sich mit dem Bus die permanenten Steigungen hinauf und gönnte sich und uns immer wieder einige Pausen, in denen wir Cocatee tranken. Ein nicht besonders wohlschmeckendes, aber anscheinend tatsächlich hilfreiches Getränk, denn keiner von uns wurde Höhenkrank. Übrigens führt jeder Touristenbus in Peru Sauerstoffflaschen mit sich. Für alle Fälle…

Der Titicacasee selbst liegt dann „nur noch“ auf etwa 3800 Metern und erstreckt sich mit seinen etwa 9000 Quadratkilometern über Bolivien und Peru. Von der Stadt Puno aus, direkt am See gelegen, steuerten wir am nächsten Tag per Schiffchen eine Insel an, auf der eine Übernachtung erfolgen sollte. Kleine Stroh bedeckte Rundhütten aus Lehm, beleuchtet von jeweils einer Kerze, boten uns Unterschlupf für diese eine, sehr kalte Nacht.

Die Morgensonne am nächsten Tag schälte sich nur mühsam aus dem Nebel, der den ganzen See einhüllte. Und während wir Touristen, klamm vor Kälte, unsere Glieder nach der Sonne streckten, waren die Bewohner der Insel schon damit beschäftigt, unser Frühstück zuzubereiten. Im Freien!

In einem gusseisernen Kessel auf offenem Feuer kochte das Kaffeewasser, in einer Pfanne brutzelten die Rühreier und hier draußen entstanden auch knusprige, wahrlich köstliche Brote. In einem Gemeinschaftsraum nahmen wir dann zusammen unser Frühstück ein, sehr freundlich bewirtet von den Einheimischen, alle in ihre bunte Tracht gekleidet.

Unser Reiseleiter erklärte, dass die Frauen je nach Jahreszeit bis zu 10 Röcke übereinander tragen, jedoch nie lange Hosen oder Strumpfhosen. Nur im Winter hätten sie Socken an, ansonsten sind sie barfuß oder mit Sandalen unterwegs. An diesem doch recht kühlen Morgen liefen sie tatsächlich nur in offenen Schuhen herum, während unsere Füße in dicken Socken und Turnschuhen warm verpackt waren.

Nach einem traditionellen Kreistanz, in dem das Sähen und Ernten dargestellt wurde, fuhren wir mit unserem Schiffchen weiter. Unser Ziel war eine der schwimmenden Schilfinseln der „Urus“. Dieses Volk hatte in der Vergangenheit eine besonders pfiffige Angewohnheit: Sobald Steuerabgaben fällig waren, „wanderte“ man mitsamt der Insel einfach so weit auf den See hinaus, bis man außer Reichweite war.

Angeblich gibt es auch heute noch Urus, die auf ihren Schilfinseln leben. Wir wurden darüber informiert, dass die zeitintensive Arbeit des „Inselherstellens“ (da das Schilf von unten her vermodert, muss es von oben regelmäßig aufgefüllt werden) aber vor allem für Touristen aufrecht erhalten wird.

Auch gibt es Boote aus Schilf, genau genommen aus der „Totora-Binse“. Aus diesem Material entstand nach alten Vorbildern auch Thor Heyerdals „Ra“, mit der er 1969 den Atlantik überquerte. Heute leben die Urus Großteils von den Einnahmen durch Besucher aus aller Welt.

Der Höhepunkt der Reise stand nun kurz bevor. Von Yucay aus ging es zur Bahnstation, von der aus sich der „Machu Picchu-Express“ entlang des sehr reizvollen Urubambatals schlägelt. Die besten Plätze hat man in Fahrrichtung links. Dann stiegen wir um auf einen der vielen Busse, die schon auf ihre Fahrgäste warteten. Hier sitzt man am besten rechts, denn man erhascht auf der halsbrecherischen Serpentinenfahrt durch den dichten Regenwald etwa auf der Hälfte der Fahrt den ersten Blick auf Machu Picchu. Aufgeregte „Oh‘s“ und „Ah‘s“ raunten durch den Bus und die Spannung stieg. Endlich! Der Eingang war in Sicht. Nun drängelte ein jeder aus dem Bus, denn wer wollte nicht der Erste sein in Machu Picchu!

Mehrere ziemlich gemeine, sehr steile Stufen führten uns durch den Urwald hinauf und hinauf. Und plötzlich, wie durch ein Wunder, hob sich der grüne Vorhang und gab den Blick auf die gewaltige Bühne frei:

Da war sie, im Einklang mit ihrer Umgebung zu einer harmonischen Einheit verschmolzen - die Inkastadt der Superlative, Machu Picchu! Mythos und Rätsel, Traum und Realität zugleich. Und natürlich UNESCO Weltkulturerbe!

Ihre magische Ausstrahlung zieht jeden Besucher sofort in ihrem Bann. Man steht da und staunt. Ein guter Reiseleiter weiß, was der Neuankömmling fühlt und lässt ihm Zeit, seiner Begeisterung freien Lauf zu lassen, bevor er zum Besichtigungsprogramm schreitet.

Und so starrten auch wir, sprachlos und völlig verzückt, minutenlang auf die vielen Tausend exakt behauenen Steine, die sich sehr malerisch auf dem großflächigen Plateau verteilen. Wie ein Schutzwall ist dieser geheimnisvolle Ort von einem Zierband aus grünen Bergkuppen umsäumt, über denen weiße Schleierwölkchen schwebten.

Dieses sagenumwobene Juwel im Regenwald muss ein Heiligtum der Inkas gewesen sein. Man spürt förmlich die Magie, die von diesem Ort ausgeht. Alle Achtung vor den Menschen, die sich diesen mystischen Ort ausgesucht, und den allergrößten Respekt von den Baumeistern, die dieses großartige Werk vollbracht hatten.

Nachdem die ersten Fotos geschossen waren, ergriff unser Reiseleiter das Wort und erzählte uns von der Wiederentdeckung Machu Picchus, die 1911 durch den amerikanischen Archäologen Hiram Bingham erfolgte. Und dann folgten wir ihm durch die Ruinen und lauschten seinen Erklärungen.

Zum Glück hatten die spanischen Eroberer diesen Ort nicht entdeckt. Dementsprechend gut sind die Gebäude erhalten, wenngleich natürlich die Strohdächer fehlen und Keramik, Schmuck, Kultobjekte und Gegenstände des täglichen Gebrauchs in Museen untergebracht sind. Viele Teilstücke der Stadt sind wissenschaftlich erklärt, andere noch völlig rätselhaft. So zum Beispiel „der Platz, an dem die Sonne angebunden ist“. Man meint zu wissen, dass er im Weitesten zu astronomischen Zwecken, evtl. als eine Art Sonnenuhr genutzt wurde. Er könnte aber auch ein Opferplatz gewesen sein…

Steil sind die Stufen des Geländes; die Felsblöcke präzise ineinander verschachtelt, aneinander gereiht und übereinander getürmt. Und die abschüssigen Bergflanken an allen Seiten fast bis zur Hälfte terrassiert. Diese sicher mühevoll entstandenen Flächen wurden als Felder benutzt, auf denen insbesondere Mais und Kartoffeln angebaut wurden, um die Versorgung der Einwohner zu gewährleisten.

Die Besichtigung war anstrengt, aber hochinteressant; gutes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich. Nach dem Rundgang hatten wir Zeit für uns selbst. Einige Teilnehmer der Gruppe wanderten den von den Inkas angelegten Pfad hinauf zum so genannten „Sonnentor“. Dieses Portal markiert den ursprünglichen Eingang nach Machu Picchu und das Ende des legendären Inkatrails. Die Aussicht von dort oben auf die ganze Stadt ist gewaltig und außerordentlich eindrucksvoll. Viel zu kurz war letztendlich dieser ereignisreiche Tag, als wir um 16 Uhr mit dem Zug zurückfahren mussten. Sehnsuchtsvolle Musik aus peruanischen Flöten, die das verlorengegangene Inkareich zu beklagen schienen, begleitete uns zum Eingang hinaus und machte  uns den Abschied von Machu Picchu ziemlich schwer.

Auf dem Weg zu unserem Hotel passierten wir Ollantaytambo, eine von den Inkas durch und durch geplante Stadt, deren Baumeister mächtige Treppen aus dem Fels eines schroffen Bergmassives herausschneiden und die Gebäude hineinsetzen ließ wie Nester. Die Bauarbeiten erfuhren ein jähes Ende, so dass die Stadt nie fertig gestellt wurde. Der Grund dafür ist bis heute leider nicht bekannt. Zu Füßen des gewaltigen Bollwerkes erstreckt sich die heutige Stadt Ollantaytambo, vergleichsweise klein und beschaulich. Hier besuchten wir einen Kindergarten und brachten Farbstifte, Hefte und Lesebücher mit, die unser Reiseleiter gekauft hatte. Ein Kinderlied in „Quechua“, der heute noch gesprochenen Sprache aus der Inkazeit, war das Dankeschön der Kleinen, das uns Tränen der Rührung in die Augen trieb.

Unsere nächste Etappe war Cuzco, der „Nabel der Welt“, wie die Inkas ihre Hauptstadt nannten. Die ganze Stadt, in einem Talkessel liegend, zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Hier stand einmal die Palastanlage der Herrscherdynastien. Heute sind noch wenige Steinreste aus dieser Zeit erhalten, denn die Spanier zerstörten alle Anlagen rücksichtslos und nutzten die stabilen Mauern als Fundamente für ihre Kathedralen. In Cuzco laufen sämtliche Inkapfade zusammen, die das ganze Imperium durchzogen. Es sollen insgesamt mehr 20000 Kilometer gewesen sein. In regelmäßigen Etappen waren Stationen zum Austausch von Läufern eingerichtet, die die Botschaften übernahmen und den nächsten Abschnitt weiterliefen, um die Nachrichten schnellstmöglich an ihr Ziel zu bringen. Der Herrscher soll auf Berichterstattungen aus seinem Reich längstens drei Tagen gewartet haben!

Etwas außerhalb von Cuzco erstreckt sich die sehr beeindruckende Inkafestung Sacsayhuamán. Aus der Luft betrachtet bildet sie den Kopf eines Pumas. Auch hier können wieder die Inkatypischen, Millimeter genau ineinander gepassten Steinwände bestaunt werden. Einige als Inkas verkleidete Peruaner boten sich dort für etwas Geld zum Fotografieren an. Und einige Touristen nahmen dieses Angebot an…..

Ein Flug nach Lima brachte uns wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt und somit zum Ende dieser Reise. Wir besichtigten den Altstadtkern von Lima, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. 1535 wurde die Stadt von Francisco Pizarro gegründet und entwickelte sich in Kürze zur größten Stadt Südamerikas und zur Hauptstadt Limas. Die barocke Kathedrale ist eine der berühmtesten Kirchen es ganzen Kontinents und natürlich die Hauptkirche der Stadt. Das barocke Bauwerk ist enorm imposant und beherbergt in einem Seitenflügel das Grab von Francisco Pizarro.

Dass die Menschen dem Besatzer ihres Landes mit einem goldgeschmückten Grabmal inmitten ihrer Kirche ein Denkmal setzten, überraschte uns. Unser Reiseleiter aber meinte, es sei seit jenen Tagen schon so viel Zeit vergangen, dass die Bevölkerung die Ereignisse von damals als Lauf des Schicksals verstünden und längst akzeptiert hätten. Ob diese Akzeptanz auch für die etwa 30 Prozent Menschen mit indianischer Abstammung gilt, sei dahin gestellt.

Alles in Allem hat mich sowohl die fantastische Landschaft extrem beeindruckt als auch das Erbe der Inkas und der anderen Völker, die vor ihnen das Land prägten. Die Geschichte des Landes, die mir in der Theorie bekannt war, wurde durch die Besichtigungen greifbar und real. Gerade so wie das Blättern in einem mit Bildern bestückten Kochbuch im Vergleich zum Genuss eines vortrefflich zubereiteten Festmahls.

 








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