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Erstellt am 21.03.2011
Sudan, Land der schwarzen Pharaonen
Studienreisen, Afrika - MS @ 17:41
Wer an “Ägyptomanie“ leidet und dort nichts Neues mehr entdecken kann, wird auf einer Reise durch den Sudan reich beschenkt. Denn die Geschichte von Nubien, wie der Nordsudan zur Zeit der Pharaonen einmal genannt wurde, ist stark verwurzelt mit der ägyptischen.
Zunächst wurden die Rohstoffe, vor allem Gold und Elfenbein, von Nubien nach Ägypten geholt und begründeten über viele Jahrhunderte einen Teil des Reichtums am Pharaonenhof. Auch die Nubier selbst waren in Ägypten sehr begehrt: als Arbeitssklaven, für das Militär und den Harem des Königs. Aus den Beutezügen wurden Feldzüge und das Land Nubien um etwa 2000 v. Chr. dem ägyptischen einverleibt.
So prägte der kulturelle Einfluss der Ägypter die nubische Bevölkerung über viele Generationen hinweg, die sich schließlich Architektur, Schrift und Religion ihrer Besatzer zu Eigen machten. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu einigen Änderungen:
Zur ägyptischen Religion gesellten sich neue Götter. Der bekannteste unter ihnen ist der Löwengott „Apedemak“, dessen Tempel im ganzen Nordsudan zu finden sind. Auch die Hieroglyphen wurden verändert und neue konstruiert. Die Darstellung der Könige erfuhr ebenfalls eine Umgestaltung. Während in Ägypten Götter und Pharaonen immer in der gleichen, unverwechselbaren grazilen Gestalt dargestellt wurden, wandelte sich das Aussehen der nubischen Götter in negride Figuren mit ausladenden Formen. Auch Kleidung, Schmuck und sogar die Königskrone waren dem allgemeinen Wandel unterworfen.
Das unterjochte Land wurde später (während des Neuen Reiches ca. 1550 – 1080 v. Chr.) ägyptische Provinz mit einem Beamten, der als Vizekönig fungierte. Letztendlich herrschten die Nubier sogar über den Pharaonenthron. Diese Epoche nennt man die „Zeit der schwarzen Pharaonen“. Der bekannteste unter ihnen war „Taharqa“. Er regierte von 690 bis 664 v. Chr.
Durch die engen Beziehungen zu Ägypten verwundert es nicht, dass es auch im heutigen Nordsudan Pyramiden zu bestaunen gibt. Und zwar einige Hundert. Kleiner als die ägyptischen, steiler und jeweils mit einem kleinen Tempelvorbau versehen. Die Innenwände über und über mit Hieroglyphen beschriftet und mit einer Scheintür in Richtung Pyramidenwand ausgestattet. Die Pyramiden haben allerdings im Gegensatz zu den ägyptischen keine Grabkammern, sondern sind komplett aus Stein. Ein Toter wurde unterhalb seiner Pyramide in einer kleinen Gruft beigesetzt.
Ganze „Pyramidenfelder“ offenbaren sich dem erstaunten Besucher. In Aprikosenfarbenen Sand eingebettet zeugen sie vom starken Glauben ihrer Erbauer an ein Weiterleben nach dem Tode.
Meroe bietet die eindrucksvollste Pyramidenlandschaft. Der Bezirk um diese Pyramiden ist weitläufig eingezäunt. Das ist auch gut so. Denn – touristisch nur sehr wenig erschlossen – gibt es außer einem permanenten, feststehenden Zeltcamp keinerlei Unterkunftsmöglichkeiten, so dass die Reisenden in ihren eigenen, mitgebrachten Zelten nächtigen müssen. Durch die Umzäunung werden sie daran gehindert, ihr Lager inmitten des Pyramidenareals aufzuschlagen.
Nur wer mit Studiosus unterwegs ist, kommt in den Genuss des feststehenden Zeltcamps. Jedes Zelt steht auf einem Betonsockel, hat ein gemauertes kleines Badezimmer, verfügt über zwei richtige Betten, eine Kommode und zwei Stühle auf der eigenen Terrasse. Und während sich Studiosusgäste auf ihrer eigenen „Zelt-Terrasse“ dem magischen Blick auf die Pyramiden im Sonnenuntergang hingeben, müssen andere weit ab vom Schuss erst mal ihre kleinen „Dackelgaragen“ aufbauen. Ein ganz großer Pluspunkt für Studiosusgäste!
Ähnlich ist es am Jebel Barkal. Es gibt ein Gästehaus, die einzige Unterkunftsmöglichkeit weit und breit. Ein im nubischen Stil erbautes, sehr geschmackvoll eingerichtetes kleines Hotel mit erstaunlich großzügigen Zimmern, von Italienern geführt. Sehr ansprechend mit viel Liebe zum Detail. Auch hier werden von deutschen Reisegruppen nur Studiosusgäste aufgenommen. Alle anderen kampieren in selbst mitgebrachten Zelten.
Nur einen Steinwurf entfernt liegt ein mitten in der flachen Sandebene aufragender Felsen. Das ist der legendäre Jebel Barkal, zur Pharaonenzeit ein sakraler Ort. An seiner Südseite ragt eine spitze Steinnadel in den blauen Himmel. Diese wurde als Uräus-Schlange verstanden, die in der Antike zum Pantheon der ägyptischen Götter zählte. Es verwundert also nicht, dass sich um diese Steinnadel herum einige Ruinen ehemaliger Tempelanlagen befinden, die zu Ehren der Götter dort erbaut wurden. Derzeit (November 2010) finden dort Grabungen unter deutscher Leitung statt.
Der damals heilige Berg ist heute eine Attraktion profaner Art. Man besteigt ihn von der Nordseite her und rutscht auf seiner sandbedeckten, abschüssigen Westflanke hinunter. Ein lärmendes Feierabendvergnügen für die ganze Familie – und für Touristen!
Auch hier befinden sich sehr gut erhaltene Pyramiden. Und leider erlebten wir dort eine Kostprobe archäologischer Arglosigkeit in Bezug auf den Schutz der antiken Baudenkmäler: Kinder stiegen unter Applaus der Familie die steilen Pyramidenwände hoch und wurden dabei gefilmt und fotografiert.
Viele Orte bergen gut erhaltene, frisch restaurierte Tempel oder Tempelruinen. Zu erwähnen sind die Orte Soleb, Sesebi, Kerma, Kawa, Kurru, Nuri (Pyramide des Pharaos Taharqa), Naga und Musawwarat.
Bei Sebu enthüllen unspektakuläre Felsformationen eine ungeheure Vielzahl von prähistorischen Felsritzungen. Verführt von immer neuen Entdeckungen aus grauer Vorzeit, klettern Touristen wie die Gämsen zwischen den Felsen herum und stöbern nach Bildern, die vor bis zu 8000 Jahren in die Steinwände gekratzt wurden. Ein Erlebnis, das süchtig macht (…wer hat das schönste, das größte, das imposanteste Bild gefunden…) und garantiert von Erfolg gekrönt ist.
Zu erwähnen sind die Katarakte (Stromschnellen) des Nils. Der 1. und 2. Katarakt liegt (lag!) in Ägypten; heute unter dem Nasser Stausee verschwunden. Die Katarakte 2 bis 6 liegen im Sudan, wobei der 4. ebenfalls in einem Stausee untergegangen ist. Als Tourist kann man die Katarakte „bestaunen“, wobei es hierbei nichts wirklich Bestaunenswertes zu entdecken gibt.
Auf einer Reise durch den Nordsudan wird der Nil zwangsläufig häufig überquert. Früher wurde die Jeepfahrt durch das Land mehrmals von solchen Fährüberfahrten unterbrochen, was den Zeitablauf oft ziemlich strapazierte. Durch den Bau einiger Brücken ist für uns Touristen (leider!) allerdings nur noch eine Stelle übrig geblieben, an der man per Fähre übersetzt.
Ein sehr beschauliches Erlebnis: Ein ziemlich ramponiertes, lautes und grauen Rauch speiendes Ungetüm aus Stahl, das gemächlich von Ufer zu Ufer schnaubt und bei jeder Ankunft bedächtige Menschen, Fahrzeuge und Vehikel jeder Art ablädt und andere aufnimmt.
Zu erwähnen ist natürlich noch die Hauptstadt Khartoum. Eine sehr großflächige Stadt mit etlichen Außenbezirken. Der bekannteste Vorort ist Omdurman, noch relativ ursprünglich mit flachen Häuschen aus Lehmziegeln. Dort gibt es auch einen sehr großen Markt, auf dem Touristen vor allem Gewürze kaufen können. Zu erwähnen ist aber vor allem die Halbinsel mitten in der Stadt, an deren Spitze sich der Blaue Nil und der weiße Nil zu einem großen Strom vereinen. Das ist dann „der Nil“, der die Hochkulturen an seinen Ufern hervorgebracht hat.
Alles in Allem verlangt eine Reise durch den Sudan einen gewissen Verzicht auf Komfort und unbedingtes Interesse an der Geschichte des Landes. Die Verpflegung ist einfach gehalten aber schmackhaft zubereitet (Gemüse, Reis, Hühnchen, Obst, Fladenbrot und Wasser, Wasser Wasser!!!)
Die beste Reisezeit ist Oktober, November und Dezember. Im Januar gibt es oftmals Sandstürme, die sich dann Mitte/Ende Februar wieder beruhigen. Danach kann man noch bis Anfang März reisen. Und selbst in diesen „Wintermonaten“ bewegen sich die Tagestemperaturen um die 40 Grad im Schatten (den es aber selten gibt). Die Meinung, dass es nachts in der Wüste generell kalt sei, ist schlichtweg falsch! Im November hatten wir jede Nacht mindestens 28 bis 35 Grad.
Fazit: Für mich war die Reise in den Sudan ein hochkarätiges Erlebnis: Kultur pur, kein einziger Tourist weit und breit (außer unserer 15-Mann kleinen Reisegruppe), durch die Buchung bei Studiosus in Meroe und am Jebel Barkal die besten Unterkünfte, die das Land an diesen Orten zu bieten hat und ein Top Reiseleiterin, die selbst Archäologin ist und uns nicht nur die Geschichte des Sudan anschaulich schildern konnte, sondern uns zudem ganz viele hochinteressante Einblicke in die Archäologie selbst gab.
Alles in allem war es eine zwar teure Reise, aber eine in jedem Fall lohnenswerte!
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